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Von den bisherigen Erfahrungen zur zukünftigen Partnerschaft: Korea und Zentralasien erschließen neue Wege der Zusammenarbeit

Was wird aus der Zusammenarbeit zwischen Korea und Zentralasien, wenn die Gipfeltreffen vorbei sind? Diese Frage diskutierten Expertinnen und Experten sowie Forschende aus Zentralasien, Südkorea, Japan und der Mongolei bei einem politischen Seminar, das am 15. und 16. September 2026 in Seoul stattfand.

Die Veranstaltung mit dem Titel „Von den bisherigen Erfahrungen zur zukünftigen Partnerschaft: Dialog über nukleare Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und strategische Zusammenarbeit“ wurde von der Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam mit dem Institut für Europastudien der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) organisiert. An dem Seminar nahmen Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter von Forschungseinrichtungen aus Zentralasien, der Republik Korea, Japan und der Mongolei teil.

Constantin Blaschke, Leiter des Auslandsbüros der Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien

Constantin Blaschke, Leiter des Auslandsbüros der Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien

Die erste Sitzung mit dem Titel „Der Korea-Zentralasien-Gipfel als Ausgangspunkt: Regionale Perspektiven auf die praktische Zusammenarbeit“ wurde von Konstantin Blaschke, Leiter des Regionalbüros der Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien, eröffnet. Er bezeichnete den Gipfel als wichtigen Meilenstein für die wirtschaftliche Integration, Digitalisierung, widerstandsfähige Lieferketten und regionale Sicherheit. Ziel sei es gewesen, gemeinsame Ansatzpunkte zwischen zentralasiatischen, südkoreanischen und europäischen Perspektiven zu identifizieren und von einzelnen Projekten zu einer langfristigen, strukturierten Partnerschaft überzugehen. Viele Rednerinnen und Redner waren der Ansicht, dass sich eine Partnerschaft weniger an Worten als vielmehr daran messen lasse, was nach den Ankündigungen tatsächlich geschehe.

Dr. Eric Ballbach, Stipendiat der Korea Foundation in der Abteilung für Asienforschung des Deutschen Instituts für Internationale und Sicherheitspolitische Analysen

Dr. Eric Ballbach, Stipendiat der Korea Foundation in der Abteilung für Asienforschung des Deutschen Instituts für Internationale und Sicherheitspolitische Analysen

Dr. Eric Ballbach, Korea Foundation Fellow in der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), betonte, dass Vernetzung weit mehr umfasse als Straßen, Eisenbahnen und Verkehrskorridore. Dazu gehörten auch Energie, digitale Vernetzung, Technologie, kritische Rohstoffe, Logistik und institutionelle Zusammenarbeit. „Physische Konnektivität schafft Möglichkeiten, institutionelle Konnektivität macht sie nachhaltig“, erklärte er. Energie, Technologie, Infrastruktur und Lieferketten seien sowohl für die Wirtschaft als auch für die Sicherheit von Bedeutung. Deshalb reiche es nicht aus, wenn sich ausschließlich Regierungen mit diesen Themen befassten. Auch wissenschaftliche Einrichtungen und weitere Partner müssten einbezogen werden.

Herr Dauren Aben, stellvertretender Direktor des Kasachischen Instituts für Strategische Studien beim Präsidenten Kasachstans

Herr Dauren Aben, stellvertretender Direktor des Kasachischen Instituts für Strategische Studien beim Präsidenten Kasachstans

Dauren Aben, stellvertretender Direktor des Kasachischen Instituts für Strategische Studien beim Präsidenten der Republik Kasachstan, vertrat eine ähnliche Position. Die Zusammenarbeit dürfe sich nicht auf einzelne Projekte beschränken. Vielmehr müsse sie langfristig angelegt und strukturiert sein und Bereiche wie Verkehr, kritische Rohstoffe, Energie, digitale Entwicklung, Bildung und Sicherheit umfassen. „Eine gute Partnerschaft bemisst sich nicht an Memoranden … sondern an dem, was tatsächlich umgesetzt wurde“, sagte er.

Der Zeitpunkt der Sitzung zur nuklearen Sicherheit mit dem Titel „Von Semipalatinsk bis Nordostasien: Lehren aus Zentralasien für nukleare Sicherheit und Nichtverbreitung in einem sich wandelnden asiatischen Sicherheitsumfeld“ war von besonderer Bedeutung. Im Jahr 2026 jähren sich die Schließung des Atomwaffentestgeländes Semipalatinsk zum 35. und die Gründung der Zentralasiatischen kernwaffenfreien Zone zum 20. Mal.

In seiner Keynote betonte Aben, dass Atomwaffen für Zentralasien nicht nur eine politische, sondern auch eine zutiefst menschliche Frage seien. Die Erfahrungen der Region ließen sich zwar nicht unmittelbar auf Nordostasien übertragen, da dort andere Rahmenbedingungen herrschten. Dennoch könnten daraus wertvolle Lehren für Dialog, Vertrauen, Verifikation und Zusammenarbeit gezogen werden. Vor allem zeigten sie, dass eine Zusammenarbeit keine vollständige Übereinstimmung voraussetze: „Wir müssen uns nicht in allem einig sein, um Risiken zu verringern.“

Diskussion zwischen den Teilnehmern

Diskussion zwischen den Teilnehmern

Mr. Junsang Yi, Forschungskoordinator der Koreanischen Gesellschaft für Nuklearpolitik, erklärte, dass Maßnahmen zur Risikominderung nicht bis zum Ende eines Prozesses aufgeschoben werden dürften. Das nukleare Risiko hänge nicht allein von der Anzahl der Sprengköpfe ab. Entscheidend seien auch die Führungs- und Kontrollstrukturen, der Transport und die Lagerung von Waffen und Kernmaterialien sowie die Verifikation. Mit der Denuklearisierung verschwinde das Risiko nicht, sondern verändere lediglich seine Form. Solange Waffen abtransportiert würden, müssten sie sicher transportiert, gelagert und überprüft werden. Auch danach blieben die Kontrolle und Überwachung von Kernmaterialien notwendig. Keine einzelne Maßnahme sei in jeder Phase gleichermaßen wirksam, betonte er.

Für Nordostasien schlug er mehrere konkrete Schritte vor, die bereits jetzt umgesetzt werden könnten: eine verbesserte Kommunikation in Krisensituationen, klarere Notifizierungsverfahren, mehr Transparenz und verstärkte vertrauensbildende Maßnahmen. Diese ersetzten die Denuklearisierung nicht, könnten jedoch dazu beitragen, Missverständnisse und Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Eunjung Lim, Professorin am Fachbereich für Internationale Studien der Kongju National University

Eunjung Lim, Professorin am Fachbereich für Internationale Studien der Kongju National University

Professorin Eunjung Lim vom Fachbereich Internationale Studien der Kongju National University erläuterte, auf welchen Grundlagen eine solche Zusammenarbeit aufbauen könne. Vertrauen sei wichtig, reiche allein jedoch nicht aus. Es müsse sich im Laufe der Zeit entwickeln – zwischen Staaten, innerhalb von Bündnissen und im Rahmen internationaler Nichtverbreitungsregime. Zugleich müsse es durch klare Vereinbarungen, Verifikationsmechanismen, Garantien und starke Institutionen gestützt werden.

Dasselbe gelte für die zivile Kernenergie: Staaten könnten ein Interesse an zuverlässigeren und diversifizierten Lieferungen von Kernbrennstoffen haben, doch diese müssten konsequent an die friedliche Nutzung der Kernenergie gebunden sein. Darüber hinaus warnte sie vor vorschnellen Vergleichen zwischen Zentralasien und der koreanischen Halbinsel, da sich beide Regionen hinsichtlich ihrer Geschichte und ihrer sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen erheblich unterschieden.

Die Sitzung „Kernenergie, kleine modulare Reaktoren und verantwortungsvolle technologische Zusammenarbeit: Sicherheit, Regulierung und Entwicklung“ widmete sich der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung. Kasachstan und Usbekistan wollen ihre Programme zur zivilen Nutzung der Kernenergie ausbauen, während Südkorea über die technischen Kapazitäten verfügt, sie dabei zu unterstützen. Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, kleine modulare Reaktoren (SMR) realistisch und langfristig zu betrachten – als eine Technologie unter mehreren und nicht als Allheilmittel.

Yongsoo Hwang, Professor für Sonderangelegenheiten an der KINGS KEPCO International Nuclear Graduate School

Yongsoo Hwang, Professor für Sonderangelegenheiten an der KINGS KEPCO International Nuclear Graduate School

Dr. Balbach wies darauf hin, dass Kernbrennstoffe, radioaktive Abfälle und Nichtverbreitung nicht nur technische Fragen seien, sondern ebenso mit Governance, Wirtschaftlichkeit, Vertrauen, Institutionen und internationaler Zusammenarbeit zusammenhingen. Die Erfahrungen Südkoreas veranschaulichten dies besonders deutlich.

Professor Yongsoo Hwang  von der KEPCO International Nuclear Graduate School (KINGS) erklärte, dass die Entwicklung der Kernenergie nicht einfach im Kauf oder Bau eines Reaktors bestehe. Vielmehr handle es sich um ein umfassendes Infrastrukturprojekt, das qualifiziertes Personal, eine leistungsfähige Regulierung, Finanzierung, eine industrielle Basis, ein Konzept für die Abfallentsorgung und eine ausgeprägte Sicherheitskultur erfordere. All dies müsse auf den nuklearen „3S“-Prinzipien beruhen: Sicherheit (Safety), Sicherung gegen unbefugte Zugriffe und Missbrauch (Security) sowie Sicherungsmaßnahmen zur Überprüfung der friedlichen Nutzung (Safeguards).

Kleinere Reaktoren seien nicht zwangsläufig kostengünstiger oder einfacher zu bauen. Fragen zu Kosten, Fertigung, Lieferketten und Regulierung seien weiterhin offen. Da Kernenergieprojekte auf Jahrzehnte ausgelegt seien, müssten auch abgebrannte Brennelemente, radioaktive Abfälle und die Stilllegung der Anlagen von Anfang an eingeplant werden. Neue Nukleartechnologien müssten gemeinsam mit zuverlässigen Sicherheits-, Sicherungs- und Verifikationsmechanismen entwickelt werden.

Akram Umarov, Erster Vizerektor am Institut für fortgeschrittene internationale Studien (IAIS)

Akram Umarov, Erster Vizerektor am Institut für fortgeschrittene internationale Studien (IAIS)

Für Zentralasien wirft dies auch die Frage der Wasserverfügbarkeit auf. Akram Umarov, Erster Vizerektor des Institute for Advanced International Studies (IAIS), betonte, dass Wasser bereits heute eine erhebliche Herausforderung für die Region darstelle und Kernkraftwerke große Mengen Wasser zur Kühlung benötigten. Die künftige Wasserverfügbarkeit, Dürren und steigende Temperaturen müssten daher von Beginn an in die Planung einbezogen werden. „Man kann nicht einfach hingehen und ein Kraftwerk bauen“, erklärte er. Vielmehr müssten Institutionen, Fachkompetenzen und Systeme geschaffen werden, die einen jahrzehntelangen Betrieb ermöglichten.

Mit Blick auf kleine modulare Reaktoren stellte er fest: „Eine geringere Größe bedeutet nicht weniger Verantwortung.“ Er plädierte für eine engere regionale Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Fachkräften, der Regulierung, gemeinsamen Forschung, Notfallvorsorge und öffentlichen Kommunikation. Auch die Zusammenarbeit mit Korea sollte über den bloßen Erwerb von Technologie hinausgehen und Ausbildung, Sicherheitsstandards, Fachkompetenzen sowie den Aufbau leistungsfähiger Institutionen umfassen.

Diskussion zwischen den Teilnehmern

Diskussion zwischen den Teilnehmern

Sangmin Shim, Senior Research Fellow am Asan Institute for Policy Studies, stellte die mongolische Perspektive vor und betonte, dass nationale Rahmenbedingungen für die Auswahl geeigneter Technologien ausschlaggebend seien. Extreme Kälte, die Abhängigkeit von Kohle sowie der Bedarf an zuverlässiger Strom- und Wärmeversorgung bedeuteten, dass jede neue Technologie im Kontext des gesamten Energiesystems bewertet werden müsse.

Gruppenfoto

Gruppenfoto

Da mehrere SMR-Projekte zur Diskussion stünden, sei nicht allein entscheidend, ob die Technologie grundsätzlich gut oder schlecht sei. Vielmehr müsse geprüft werden, ob sie in das bestehende Stromnetz integriert werden könne, wie hoch ihr Wasserbedarf sei, welche Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer entstünden und ob technische Unterstützung sowie die Versorgung mit Ersatzteilen und anderen notwendigen Komponenten langfristig gesichert seien.

Die Zusammenarbeit müsse seiner Ansicht nach nicht mit der Auswahl eines Reaktors beginnen. Zunächst könnten Forschung, Ausbildung und politische Konsultationen im Vordergrund stehen, um den Ländern zu ermöglichen, ihre eigenen Kapazitäten und Möglichkeiten vor einer weitreichenden Entscheidung besser einzuschätzen.

In parallelen Arbeitsgruppen vertieften die Teilnehmenden drei weitere Themenbereiche: Energiewende und verantwortungsvolle Technologien, darunter erneuerbare Energien, Wasserstoff und kritische Rohstoffe; digitale Transformation und intelligente Städte, einschließlich digitaler Verwaltung, künstlicher Intelligenz und intelligenter Infrastruktur; sowie Konnektivität und Verkehr mit Schwerpunkt auf Logistikkorridoren und widerstandsfähigen Lieferketten. Jede Arbeitsgruppe erarbeitete prioritäre Initiativen und konkrete Empfehlungen für die Zusammenarbeit.

Zum Abschluss des Seminars vereinbarten die Teilnehmenden, die Zusammenarbeit durch gemeinsame Forschungsprojekte, akademische Mobilität und den Ausbau von Expertennetzwerken weiterzuentwickeln. Ziel ist es, die in Seoul geknüpften Kontakte in nachhaltige Partnerschaften zwischen den Ländern Eurasiens zu überführen.