Welche Zukunft hat das Kaspische Meer? Die Antwort darauf entsteht an der Schnittstelle vieler Disziplinen: Hydrologie, Ökologie, Wirtschaft, Energie und internationale Beziehungen. Um dieses Wissen zusammenzuführen, fand am 1. und 2. Oktober 2026 an der Nationalen Akademie der Wissenschaften beim Präsidenten der Republik Kasachstan in Almaty die internationale Konferenz „Das Kaspische Meer: Probleme, Perspektiven und Chancen für eine nachhaltige Entwicklung“ statt. Fachleute aus Wissenschaft, staatlichen Institutionen und Praxis aus acht Ländern diskutierten, wie sich das Kaspische Meer verändert und wie sich die Region an diese Veränderungen anpassen kann.
Almaty, Kasachstan, 1.–2. Oktober 2026
Die Zukunft des Kaspischen Meeres: Wissenschaft und Praxis suchen gemeinsam nach Lösungen
Constantin Blaschke, Regionalleiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien, bei der Eröffnung der Konferenz.
Eröffnet wurde die Konferenz von Matthias Kiesler, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Almaty, einem Vertreter des Ministeriums für Ökologie und natürliche Ressourcen der Republik Kasachstan, Prof. Dr. Akhylbek Kurishbayev, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Kasachstan, Prof. Dr. Wolrad Rommel, Präsident der Deutsch-Kasachischen Universität, sowie Constantin Blaschke, Regionalleiter der Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien.
Ein Meer, viele Dimensionen
Das Kaspische Meer ist das größte abflusslose Binnengewässer der Welt und ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel auf dem Zentralasiatischen Zugweg. Ein roter Faden der Konferenz: Die Veränderungen des Wasserspiegels lassen sich nicht allein als ökologische Frage betrachten. Sie betreffen zugleich Ökosysteme, Häfen und Schifffahrt, Energie, Handelsrouten und das Leben der Küstengemeinden. Deshalb wurden Wasser, Ökosysteme, Energie und menschliches Wohlergehen in ihren Wechselwirkungen betrachtet, im Sinne des Nexus-Ansatzes.
Grußwort von Prof. Dr. Akhylbek Kurishbayev, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften beim Präsidenten der Republik Kasachstan.
Ursachen verstehen, Lösungen wählen
Prof. Dr. Nima Shokri (Technische Universität Hamburg) eröffnete die Reihe der Keynotes mit einer grundlegenden Frage: Welche Rolle spielen menschliche Aktivitäten und welche das Klima bei den Veränderungen des Kaspischen Meeres? Von der Antwort hängt ab, welche Anpassungsmaßnahmen wirksam sein werden. Grundlage solcher Bewertungen sind neue Daten. Forschungsteams aus Kasachstan zeigten, wie sich mithilfe der Satellitenaltimetrie die langfristige Entwicklung des Meeresspiegels verfolgen lässt und wie Satellitenbeobachtungen in Verbindung mit künstlicher Intelligenz helfen, die Verwundbarkeit der Küste zu bewerten und diese Daten im Umweltmanagement zu nutzen.
Die Natur des Kaspischen Meeres im Fokus
Die Tier- und Pflanzenwelt des Kaspischen Meeres war eines der zentralen Themen der Konferenz. Das Meer ist Heimat der endemischen Kaspischen Robbe, die ihre Jungen auf dem Eis des nördlichen Kaspischen Meeres zur Welt bringt. Daher widmeten die Forschungsteams der Frage besondere Aufmerksamkeit, wie die Erwärmung die Eisverhältnisse in diesem Teil des Meeres verändern könnte. Til Dieterich (NABU) stellte Ansätze zum Schutz der Biodiversität in der Region vor. Außerdem diskutierten die Teilnehmenden, wie sich die Küstenstädte mit Trinkwasser versorgen lassen und das Meer dabei geschont werden kann.
Zuhörerinnen und Zuhörer der Konferenz.
Der Mensch im Mittelpunkt
Dr. Aziza Baubekova (Universität Oulu, Finnland) zeigte, wie die Veränderungen des Kaspischen Meeres mit regionaler Stabilität, Konnektivität und dem Leben der Küstenbevölkerung zusammenhängen. Forschungsteams aus Bulgarien und Kasachstan regten an, das Thema aus der Perspektive der Klimamigration zu betrachten und die Rolle von Innovation und Wirtschaftsstruktur für die nachhaltige Entwicklung der kaspischen Regionen zu beleuchten.
Kooperation als gemeinsamer Nenner
Das Kaspische Meer ist eine gemeinsame Ressource der fünf Anrainerstaaten. Zusammenarbeit wird damit zur Voraussetzung für jede Lösung. Prof. Dr. Jörn Dosch (Universität Rostock) beleuchtete die Geopolitik der Region, und die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion „Die Zukunft beginnt heute: Nachhaltigkeit in der Kaspischen Region neu denken“ erörterten, wie sich ökologische, wirtschaftliche und soziale Prioritäten miteinander vereinbaren lassen. Als „Schritt in die richtige Richtung“ wurde das neue Protokoll über die Umweltverträglichkeitsprüfung im grenzüberschreitenden Kontext vorgestellt, das für das Kaspische Meer gilt.
Expertinnen, Experten und Gäste der Konferenz.
Vom Dialog zu Empfehlungen
Der zweite Tag richtete sich an Fachleute. Zum Abschluss fand ein Workshop statt, in dem die Teilnehmenden die Ergebnisse der Konferenz zusammenführten und mit der Erarbeitung eines Policy Briefs mit Empfehlungen für Entscheidungsträger begannen. Die Arbeit an dem Dokument wird nach der Konferenz fortgesetzt. Ergebnis werden wissenschaftlich fundierte Vorschläge zur Anpassung an die Veränderungen des Kaspischen Meeres sein.
Voller Saal bei der Eröffnung der Konferenz in der Nationalen Akademie der Wissenschaften beim Präsidenten der Republik Kasachstan.
Partner
Die Hanns-Seidel-Stiftung in Zentralasien richtete die Konferenz gemeinsam mit der Deutsch-Kasachischen Universität, der Nationalen Akademie der Wissenschaften beim Präsidenten der Republik Kasachstan und dem DAAD aus.
Fotos: Deutsch-Kasachische Universität