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Hongkong, 4.–8. Oktober 2026
Ein Schutzgebiet, das den Menschen dient: Erfahrungen aus Mai Po für Zentralasien

Kann ein Schutzgebiet nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen zugutekommen? Das Naturschutzgebiet Mai Po in Hongkong zeigt, dass dies möglich ist. Hier bietet ein und dasselbe Feuchtgebiet Zehntausenden Zugvögeln einen Rückzugsort, dient als Ort für Ökotourismus und Umweltbildung und schafft Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung. Um diese Erfahrungen vor Ort kennenzulernen, reiste vom 4. bis 8. Oktober 2026 eine elfköpfige Delegation aus Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und der Republik Korea nach Mai Po.

Praktische Übung während des Seminars. Die Teilnehmer bauen gemeinsam eine Konstruktion, um die Lösung von Aufgaben im Team praktisch zu erproben.

Praktische Übung während des Seminars. Die Teilnehmer bauen gemeinsam eine Konstruktion, um die Lösung von Aufgaben im Team praktisch zu erproben.

An der Schulung zum intelligenten Management von Feuchtgebieten nahmen Vertreter staatlicher Behörden, wissenschaftlicher Institute und Nichtregierungsorganisationen sowie Naturschutzexperten und Mitarbeiter von Schutzgebieten teil. Organisiert wurde die Schulung von der Hanns-Seidel-Stiftung (Vertretungen in Zentralasien und in der Republik Korea) und dem Nachhaltigkeitsnetzwerk TH!NK GLOBAL in Zusammenarbeit mit WWF Hong Kong.

Exkursion auf einem Holzsteg durch die Mangroven. Mit Ferngläsern ausgestattet überqueren die Teilnehmer auf einem schwimmenden Steg einen Wasserlauf. Hier wird deutlich, wie der Zugang von Besuchern zu sensiblen Bereichen des Feuchtgebiets gestaltet ist.

Exkursion auf einem Holzsteg durch die Mangroven. Mit Ferngläsern ausgestattet überqueren die Teilnehmer auf einem schwimmenden Steg einen Wasserlauf. Hier wird deutlich, wie der Zugang von Besuchern zu sensiblen Bereichen des Feuchtgebiets gestaltet ist.

Warum dies für Zentralasien wichtig ist

Die Feuchtgebiete Zentralasiens haben großes Potenzial: Sie sind Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, versorgen lokale Gemeinschaften mit Wasser und können sich zu Orten für Ökotourismus und Umweltbildung entwickeln. Um dieses Potenzial zu nutzen und die Feuchtgebiete in einem sich wandelnden Klima zu erhalten, braucht es moderne Ansätze für Management und Monitoring. Ziel der Schulung war es, die technischen und institutionellen Kapazitäten der Länder der Region zu stärken und Praktiken vorzustellen, bei denen Naturschutz und nachhaltige Entwicklung Hand in Hand gehen.

Ebenso wichtig ist die Verbindung zwischen den Regionen. Zugvögel kennen keine Grenzen: Der Zentralasiatische Zugweg und der Ostasiatisch-Australasiatische Zugweg, zwei der bedeutendsten Vogelzugrouten der Welt, teilen sich Brutgebiete, Rastplätze und Überwinterungsgebiete in Nordasien, Zentralasien und Südasien. Gemeinsame Vogelpopulationen und gesunde Ökosysteme lassen sich daher nur durch die Zusammenarbeit der Länder beider Zugwege erhalten.

Schleuse an einem traditionellen Garnelenteich (Gei Wai). Fachleute erläutern, wie der Wasserstand in den Teichen reguliert wird, um Vögel und das Ökosystem zu unterstützen. Daneben steht eine solarbetriebene Messstation.

Schleuse an einem traditionellen Garnelenteich (Gei Wai). Fachleute erläutern, wie der Wasserstand in den Teichen reguliert wird, um Vögel und das Ökosystem zu unterstützen. Daneben steht eine solarbetriebene Messstation.

Mehr als 40 Jahre Erfahrung

WWF Hong Kong verwaltet das Ramsar-Gebiet Mai Po seit 1983. Das Schutzgebiet vereint mehrere Funktionen: Es schützt die Lebensräume von Zugvögeln, unterstützt eine nachhaltige „blaue Wirtschaft“, empfängt Ökotouristen und führt Bildungsprogramme durch. Genau dieser ganzheitliche Ansatz stand für die Teilnehmer im Mittelpunkt.

„Wandernde Wasservögel sind auf ein Netz von Feuchtgebieten entlang des gesamten Zugwegs angewiesen, daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen diesen Gebieten entscheidend. Im Rahmen des Wetland Management Training Programme gibt WWF Hong Kong die praktischen Erfahrungen aus Mai Po weiter, um das Management von Feuchtgebieten und Partnerschaften über die Zugwege hinweg zu stärken“, sagt Dr. Xianji Wen, Direktor des Naturschutzgebiets Mai Po und des Zugwegprogramms von WWF Hong Kong.

Fahrt mit einem Glasbodenboot durch den Meerespark. Die Teilnehmer lernen Korallengemeinschaften und Ansätze zum Schutz der Meeresumwelt kennen.

Fahrt mit einem Glasbodenboot durch den Meerespark. Die Teilnehmer lernen Korallengemeinschaften und Ansätze zum Schutz der Meeresumwelt kennen.

Programm

Das intensive Programm verband Exkursionen, Fachvorträge, interaktive Diskussionen und Übungen. Die Teilnehmer arbeiteten in fünf Themenbereichen:

  1. Monitoring und Technologien. Einsatz von GIS und Fernerkundung, Überwachung der Wasserqualität auf Basis des Internets der Dinge, Erfassung von Biodiversitätsdaten mithilfe künstlicher Intelligenz, Arbeit mit Dashboards.
  2. Adaptives Management und Renaturierung von Feuchtgebieten am Beispiel von Mai Po, einschließlich Modellen zur Planung des Lebensraummanagements und Praktiken im Einklang mit internationalen Naturschutzverpflichtungen.
  3. Umweltbildung und Ökotourismus. Die Teilnehmer erfuhren, wie das Schutzgebiet mit Besuchern arbeitet und Bildungsprogramme nutzt, um Unterstützung für den Naturschutz zu gewinnen.
  4. Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften als Voraussetzung für den langfristigen Erhalt der Feuchtgebiete.
  5. Exkursionen. Besuch der Feuchtgebiete von Mai Po, des Meeresparks Hoi Ha Wan und des Umleitungskanals Yuen Long der Hongkonger Entwässerungsbehörde (Drainage Services Department).
Ein Spiel über Zugvögel mit Mitarbeitern von WWF Hong Kong: eines der Instrumente, mit denen das Schutzgebiet lokale Gemeinschaften einbindet.

Ein Spiel über Zugvögel mit Mitarbeitern von WWF Hong Kong: eines der Instrumente, mit denen das Schutzgebiet lokale Gemeinschaften einbindet.

Ideen für die Umsetzung in der Heimat

Den Teilnehmern aus Zentralasien bot die Schulung praktische Beispiele dafür, wie Feuchtgebiete zugleich dem Erhalt der Biodiversität, der Entwicklung des Ökotourismus, der Einbindung lokaler Gemeinschaften und der Umweltbildung dienen können. Die gewonnenen Erfahrungen können in die Planung und das Management von Feuchtgebieten in den Ländern der Region einfließen.

Ausstellung über Flussregulierungsprojekte in den New Territories.

Ausstellung über Flussregulierungsprojekte in den New Territories.

„Diese Schulung bietet Staat und Zivilgesellschaft die Möglichkeit, ihre Zusammenarbeit beim Schutz von Feuchtgebieten zu stärken. Angesichts des wachsenden Tourismus und des Ausbaus der Infrastruktur rund um Gewässer wie den Issyk-Kul-See in Kirgisistan können die praktischen Erfahrungen von WWF Hong Kong und die Ausweisung neuer Ramsar-Gebiete in Zentralasien dazu beitragen, ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und menschlicher Nutzung zu finden“, betont Constantin Blaschke, Regionalleiter der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) in Zentralasien.

Gruppenfoto vor dem Bildungszentrum des WWF.

Gruppenfoto vor dem Bildungszentrum des WWF.

Die Schulung stärkte zudem die regionale Zusammenarbeit beim Schutz von Zugvögeln. Die Verbindungen zwischen dem Zentralasiatischen und dem Ostasiatisch-Australasiatischen Zugweg tragen dazu bei, ein zusammenhängendes Netz von Feuchtgebieten aufzubauen, das für den Erhalt des gemeinsamen Naturerbes von großer Bedeutung ist.