Die Internationale Sommerschule „Decentralization, Good Governance and Geopolitical Shifts“ fand vom 3. bis 15. August 2026 in Passau und München, Deutschland, statt. Das von der Universität Passau und der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) veranstaltete Programm verband den wissenschaftlichen Austausch mit praxisnahen Einblicken in staatliche Steuerungprozesse sowie in die Aufgaben- und Kompetenzverteilung zwischen der nationalen, regionalen und kommunalen Ebene.
Passau und München, Deutschland, 3.–15. August 2026
Von Kirgisistan nach Deutschland: Internationaler Austausch zu Dezentralisierung und Good Governance
Asel Serkebaeva, leitende Spezialistin im Büro des bevollmächtigten Vertreters des Präsidenten der Kirgisischen Republik im Gebiet Issyk-Kul, nahm als einzige Teilnehmerin aus Zentralasien teil. Sie brachte so die kirgisische Perspektive in den internationalen Austausch über Dezentralisierung, Good Governance und öffentliche Verwaltung ein.
Der erste Programmteil an der Universität Passau widmete sich der Dezentralisierung und guten Regierungsführung im Kontext umfassender geopolitischer Veränderungen. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden befassten sich die Teilnehmenden mit Föderalismus, Staatsreformen, Minderheitenrechten, Konfliktlösung und kommunaler Selbstverwaltung. Dabei flossen Erfahrungen aus Europa, dem Nahen Osten sowie Süd- und Südostasien ein.
Auch in selbst gestalteten Diskussionsformaten brachten die Teilnehmenden ihre nationale Erfahrungen ein und verglichen unterschiedliche Ansätze der öffentlichen Verwaltung und Dezentralisierung. „In den Diskussionen konnten wir nicht nur mehr über die Dezentralisierung in anderen Ländern erfahren, sondern auch unsere eigenen nationalen Erfahrungen einbringen“, resümierte Serkebaeva. „Das Thema betrifft uns alle, doch die konkrete Ausgestaltung der Dezentralisierung unterscheidet sich von Land zu Land erheblich.“ So bereicherte Frau Serkebaeva den Austausch mit einem Beitrag zur laufenden administrativ-territorialen Reform in Kirgisistan. Dabei erläuterte sie aktuelle Veränderungen in der kommunalen und regionalen Verwaltung. Der internationale Vergleich ermöglichte es ihr, die Entwicklungen in Kirgisistan einzuordnen und Fragen der kommunalen Zuständigkeiten und Kompetenzverteilung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
Am 12. August wurde das Programm am Sitz der Hanns-Seidel-Stiftung in München fortgesetzt. Dort diskutierten die Teilnehmenden über die Rolle politischer Stiftungen bei der Förderung von Good Governance, politischer Bildung, demokratischer Teilhabe und des internationalen Dialogs. Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Ebene vermittelten zudem praxisnahe Eindrücke davon, wie Städte und Gemeinden mit demografischen, wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen umgehen.
Bei einem Besuch des Bayerischen Landtags erhielten die Teilnehmenden einen unmittelbaren Einblick in das föderale System Deutschlands. Im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel standen insbesondere die Aufgaben und Zuständigkeiten der verschiedenen staatlichen Ebenen im Mittelpunkt. In einem anschließenden Planspiel, das in Zusammenarbeit mit dem Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt wurde, vollzogen die Teilnehmenden parlamentarische Entscheidungsprozesse anhand von Ausschussberatungen und Plenardebatten praxisnah nach.
„Es gibt viele Ansätze, die wir auch für unsere eigene Arbeit in Betracht ziehen können“, erklärte Frau Serkebaeva mit Blick auf die Diskussionen über kommunale Zuständigkeiten und die Finanzierung auf lokaler Ebene. „Besonders hilfreich war es, die Funktionsweise unterschiedlicher Systeme in der Praxis miteinander zu vergleichen und diese Fragen unmittelbar mit Fachleuten aus Wissenschaft und Politik zu erörtern.“
Über das fachliche Programm hinaus stärkte die Sommerschule die beruflichen Vernetzung zwischen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Ländern und Arbeitsfeldern. Frau Serkebaeva berichtete, dass viele Gespräche außerhalb der offiziellen Programmpunkte fortgeführt wurden und sie auch nach ihrer Rückkehr nach Kirgisistan mit anderen Teilnehmenden in Kontakt geblieben ist.
Durch die Verbindung international vergleichender Perspektiven mit dem direkten Austausch mit politischen und öffentlichen Institutionen in Deutschland vermittelte die Sommerschue praxisnahe Erkenntnisse zu unterschiedlichen Ansätze der Dezentralisierung und guten Regierungsführung. Asel Serkebaeva brachte dabei die Erfahrungen Kirgisistans in den internationalen Dialog ein und gewann zugleich neue Impulse für die öffentliche Verwaltung und die regionale und kommunale Regierungsführung in der Kirgisischen Republik.