Regionalkooperation: Die Vergangenheit verstehen, die Zukunft gestalten
Am 8. und 9. Juni 2026 veranstalteten die Vertretungen der Hanns-Seidel-Stiftung in der Mongolei, auf der koreanische Halbinsel, in Peking/China und in Zentralasien ein zweitägiges internationales Seminar in Ulaanbaatar zum Thema regionale Zusammenarbeit in Nordostasien. Die Veranstaltung brachte Wissenschaftler, Forschende, Politikexperten sowie Vertreter relevanter Institutionen aus der Mongolei, China, Japan, der Republik Korea, Kasachstan, Kirgisistan, Deutschland und Polen zusammen.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand Vertrauen als praktische Grundlage jeder zwischenstaatlichen Zusammenarbeit. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Kooperation in konkreten Politikbereichen von gemeinsamen Interesse eine Dynamik erzeugen und schrittweise Berechenbarkeit und gegenseitiges Verständnis zwischen den Ländern stärken kann.
Zentralasien im Dialog mit Nordostasien
Das Seminar war von besonderer Bedeutung für die Verknüpfung der Agenden Zentralasiens und Nordostasiens. Für die eingeladenen Expertinnen aus Zentralasien bot es die Gelegenheit, Erfahrungen in den Bereichen regionale Entwicklung, Konnektivität und grenzüberschreitende Zusammenarbeit direkt mit Partnern aus der Region Nordostasien zu vergleichen. Die Mongolei und Ulaanbaatar als ihre Hauptstadt wurden als Brücke und neutrale Plattform für den Dialog zwischen Regionen und Akteuren angesehen, denen direkte Zusammentreffen und politischer Dialog nicht ohne Weiteres leichtfällt.
Dr. Nargiza Muratalieva, außerordentliche Professorin am Institut für Internationale und Vergleichende Politikwissenschaft der American University of Central Asia (AUCA) in der Kirgisischen Republik, hob hervor, dass das sich entwickelnde Modell des zentralasiatischen Regionalismus als potenzieller Bezugspunkt für künftige Ansätze in Nordostasien dienen könnte. Zugleich erscheint es derzeit verfrüht, von einem umfassenden multilateralen Kooperationsrahmen zwischen Zentralasien und Nordostasien zu sprechen: Der Austausch fand bislang vor allem über bilaterale Kanäle oder über einzelne nordostasiatische Partner im Rahmen der C5+1-Formate statt. Als praktischen Mechanismus regte Frau Muratalieva an, über C5+1-Formate gemeinsame Interessen auszuloten. So könnte das Herausarbeiten an Prioritäten als wichtiger Ausgangspunkt für einen breiteren interregionalen Dialog dienen. Dr. Gulnara Dadabayeva, Professorin und stellvertretende Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der KIMEP-Universität in der Republik Kasachstan, verwies auf die thematische Bandbreite potenzieller Kooperationsbereiche zwischen Kasachstan und den Ländern Nordostasiens.
Das Seminar war Teil eines breiteren Dialogprozesses in der mongolischen Hauptstadt: Kurz zuvor fand die elfte Internationale Konferenz des Ulaanbaatar Dialogue zur Sicherheit in Nordostasien und Kooperation zwischen der Mongolei und den Ländern Zentralasiens statt, an der Vertreter aus rund 40 Ländern teilnahmen.
Ergebnisse und nächste Schritte
Die Hanns-Seidel-Stiftung bietet eine Plattform für fachliche Analyse und Dialog in Zentralasien. Das Seminar spiegelte diesen Ansatz wider: So schaffte es einen Raum für den direkten Austausch zwischen den Regionen Asiens und bildete zugleich eine Brücke zu Expertenkreisen in Deutschland und Europa. Die Teilnehmenden sehen den Beitrag der europäischen Partner in erster Linie in der Rolle eines Vermittlers und Wissenspartners und weniger als Quelle vorgefertigter Kooperations- und Integrationsmodelle.
Das Seminar bildete den Auftakt einer langfristig angestrebten Zusammenarbeit. Zu den nächsten Schritte gehören die Veröffentlich einer Fachpublikation, regelmäßige Austauschmöglichkeiten innerhalb des Netzwerks sowie weitere Treffen in der Region und in Deutschland.
Die Hanns-Seidel-Stiftung dankt allen Vortragenden, Fachleuten und Teilnehmenden herzlich für ihren wertvollen Beitrag zur Vertiefung des regionalen Expertendialogs.