Vom 14. bis 16. September 2026 kamen Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter von Forschungseinrichtungen aus Zentralasien, der Republik Korea, Japan und der Mongolei in Seoul zum internationalen Policy-Workshop „From Lessons Learned to Future Partnerships: Dialogue on Nuclear Security, Sustainable Development and Strategic Cooperation“ zusammen. Die Veranstaltung wurde von der Hanns-Seidel-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institute of EU Studies der Hankuk University of Foreign Studies organisiert.
Von Erfahrungen zu künftigen Partnerschaften: Korea und Zentralasien erschließen neue Kooperationsfelder
An drei Tagen diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Korea und Zentralasien entwickelt und in welchen Bereichen sie weiter vertieft werden kann. Das Programm verband Themen, die häufig getrennt voneinander betrachtet werden: nukleare Sicherheit und Nichtverbreitung, Energie, neue Technologien, Konnektivität und nachhaltige Entwicklung.
Ein Schwerpunkt lag auf der wirtschaftlichen Komplementarität zwischen Korea und Zentralasien. Die zentralasiatischen Länder verfügen über wichtige natürliche Ressourcen, wachsende Märkte und ein starkes Interesse an der Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften. Korea wiederum verfügt über umfassende Erfahrungen in den Bereichen Technologie, Investitionen und industrielle Entwicklung. Die Teilnehmenden diskutierten darüber, wie die Zusammenarbeit über einzelne Projekte hinausgehen und künftig auch lokale Verarbeitung, berufliche Qualifizierung, Forschung, widerstandsfähigere Lieferketten und gemeinsame Produktion umfassen könnte.
Auch Konnektivität wurde in einem breiteren Sinne verstanden. Straßen, Eisenbahnverbindungen und Transportkorridore sind wichtig, doch Infrastruktur allein reicht nicht aus. Effiziente Zollverfahren, kompatible digitale Systeme, verlässliche Investitionsbedingungen und die Zusammenarbeit zwischen Institutionen entscheiden mit darüber, ob neue Verkehrswege langfristig wirtschaftliche Chancen schaffen können.
Ein weiterer wichtiger Teil des Programms war der nuklearen Sicherheit gewidmet. Die Erfahrungen Zentralasiens, insbesondere das Erbe des Atomwaffentestgeländes Semipalatinsk und die Einrichtung der kernwaffenfreien Zone in Zentralasien, bildeten einen Ausgangspunkt für den Austausch mit Expertinnen und Experten aus Nordostasien.
Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass sich die Erfahrungen Zentralasiens nicht einfach auf Nordostasien übertragen lassen, wo sich die politische und sicherheitspolitische Lage deutlich unterscheidet. Dennoch bieten sie wichtige Anknüpfungspunkte für den Dialog und die Reduzierung nuklearer Risiken. Ein Gedanke, der während der Diskussion hervorgehoben wurde, war, dass Staaten nicht in allen politischen Fragen übereinstimmen müssen, bevor sie gemeinsam an der Verringerung konkreter Risiken arbeiten können.
Die Diskussionen zeigten außerdem, dass sich nukleare Risiken im Verlauf eines Denuklearisierungsprozesses verändern. Mit der Entfernung von Atomwaffen verschwinden nicht automatisch alle Risiken. Fragen der Führung und Kontrolle, des Transports, der Lagerung, des Umgangs mit Nuklearmaterial und der Verifikation bleiben bestehen und erfordern in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche Maßnahmen. Krisenkommunikation, Notifizierungsverfahren und vertrauensbildende Maßnahmen wurden als praktische Möglichkeiten diskutiert, um das Risiko von Missverständnissen oder einer Eskalation zu verringern.
Eng damit verbunden war die Frage des Vertrauens. Die Teilnehmenden betonten, dass Vertrauen die Zusammenarbeit erleichtern kann, rechtliche Vereinbarungen, Verifikation, Sicherungsmaßnahmen und funktionierende Institutionen jedoch nicht ersetzen kann. Dies gilt sowohl für die Reduzierung nuklearer Risiken als auch für die Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie.
Im weiteren Verlauf richtete sich der Blick auf die zivile Nutzung der Kernenergie und auf kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMRs), die für mehrere Länder der Region zunehmend relevant werden. Statt sich ausschließlich auf einzelne Reaktortechnologien zu konzentrieren, diskutierten die Teilnehmenden die Voraussetzungen für einen langfristig verantwortungsvollen Umgang mit Kernenergie. Sicherheit, Sicherung und Safeguards – die sogenannten nuklearen „3S“ – wurden ebenso thematisiert wie Finanzierung, Lieferketten, Regulierung, qualifiziertes Personal, radioaktive Abfälle und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit.
Auch über SMRs wurde intensiv diskutiert. Kleinere Reaktoren können unter bestimmten Bedingungen Vorteile bieten, sollten jedoch nicht als einfache Lösung für energiepolitische Herausforderungen betrachtet werden. Die verschiedenen SMR-Konzepte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer technischen Anforderungen und ihres Entwicklungsstands. Fragen zu Kosten, Fertigung, Regulierung und praktischer Erfahrung müssen daher sorgfältig geprüft werden.
Besondere Bedeutung hatte im zentralasiatischen Kontext die Wasserfrage. Kernkraftwerke benötigen Kühlung, während die Region bereits mit Wasserknappheit, steigenden Temperaturen und konkurrierenden Ansprüchen an vorhandene Wasserressourcen konfrontiert ist. Die Teilnehmenden diskutierten daher, wie Wasserverfügbarkeit und langfristige klimatische Entwicklungen bereits zu Beginn der Planung von Kernenergieprojekten berücksichtigt werden können.
Eine engere regionale Zusammenarbeit könnte zudem dazu beitragen, die für den Umgang mit Kernenergie erforderliche Expertise aufzubauen. Diskutiert wurden unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden, Universitäten und technischen Einrichtungen, gemeinsame Aus- und Fortbildungsangebote und Forschungsprojekte, Notfallvorsorge sowie eine bessere Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Korea könnte dabei nicht nur technologische Lösungen einbringen, sondern auch Erfahrungen bei der Ausbildung von Fachkräften, beim Aufbau einer Sicherheitskultur und bei der Entwicklung von Institutionen, die für den jahrzehntelangen Betrieb kerntechnischer Anlagen erforderlich sind.
Die Mongolei brachte eine weitere Perspektive in die Diskussion ein. Kalte Winter, die starke Abhängigkeit von Kohle sowie der Bedarf an einer zuverlässigen Strom- und Wärmeversorgung zeigen, wie unterschiedlich die nationalen Rahmenbedingungen für energiepolitische Entscheidungen sein können. Vor einer Entscheidung für eine bestimmte Technologie müssen unter anderem ihre Vereinbarkeit mit dem Stromnetz, der Wasserbedarf, die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus sowie die langfristige Verfügbarkeit internationaler technischer Unterstützung berücksichtigt werden. Forschung, Weiterbildung und politischer Dialog können deshalb bereits wichtige Formen der Zusammenarbeit sein, bevor sich ein Land für eine bestimmte Technologie entscheidet.
In parallelen Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden außerdem über Energiewende und verantwortungsvolle Technologien, digitale Transformation und Smart Cities sowie Konnektivität und Verkehr aus. Dabei wurden unter anderem erneuerbare Energien, kritische Rohstoffe, künstliche Intelligenz, digitale Governance, Infrastruktur, Logistik und regionale Lieferketten thematisiert.
Zum Abschluss ging der Blick über die Veranstaltung in Seoul hinaus. Die Teilnehmenden erörterten Möglichkeiten, den Austausch durch Expertennetzwerke, akademische Kooperation, gemeinsame Forschung und Publikationen fortzusetzen.
Die drei Tage in Seoul machten deutlich, wie vielfältig die Themen sind, die Zentralasien mit Korea und seinen Partnern in Nordostasien verbinden. Zugleich zeigte sich, dass erfolgreiche Zusammenarbeit nicht allein von der Finanzierung einzelner Projekte oder dem Transfer von Technologien abhängt. Entscheidend sind auch persönliche Kontakte, Institutionen, die langfristig zusammenarbeiten können, und Möglichkeiten, den begonnenen Dialog fortzuführen. Der Workshop in Seoul war ein weiterer Schritt, um solche Verbindungen aufzubauen.